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Reportage – Die Bilder von Barbara Duisberg (Text: Sabine Seifert)

Die Reportage ist ein besonderes journalistisches Format. Sie erzählt Geschichten von Menschen. Sie geht nah heran, greift einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen aus dem Gesamtbild heraus. Die Reportage veranschaulicht Konflikte, Probleme, unterschiedliche Lebenswelten. Vom Persönlichen zum Allgemeinen und umgekehrt.

Die Reportage ist auch ein Bildformat, das von der Fotografie angewandt wird. Barbara Duisbergs Bildern liegen Fotografien zugrunde, Pressefotos, die in den Medien Aufmerksamkeit schüren sollen: für Naturkatastrophen, Kriege, Aufstände, sportliche Ereignisse, Herausforderungen generell. Doch statt Aufmerksamkeit, Dringlichkeit zu erzeugen, erfahren diese Fotografien oftmals genau das Gegenteil das Beabsichtigten: in einer medialen Bilderflut drohen sie sich zu verflüchtigen, unterzugehen. Hier setzt die Künstlerin Barbara Duisberg an, die ihre Bildmotive aus der Presse bezieht, sie isoliert, verfremdet, aus dem konkreten Kontext löst und in einen übergeordneten Zusammenhang stellt. Auf diese Weise erfahren sie die ihnen gebührende Aufmerksamkeit, auf diese Weise führt Duisberg die Bilder einer Reportage – die ja stets mehr sind als bloße Illustration eines Sachverhalts, eines Artikels – ihrer ursprünglichen Bedeutung zu: sie berichten, sie bezeugen etwas.

Barbara Duisbergs Bilder berichten von Flucht („Pakistan“), Vertreibung („Hebron“), Rebellion (Teheran“) und Widerstand („Bengasi“), von Ausbeutung („Fair Stone“, „Manila“), von Anstrengung und Herausforderung. Ihre Bilder tragen meist geografische Titel, sprechen von Orten, die nur andeutungsweise im Bild zu sehen sind. Wasser, Sand, Berge, Stacheldraht eine Mauer, ein Boot oder auch gar nichts. Während die Künstlerin lebensgroß auf das Individuum setzt, auf die Einzeldarstellung – und stets sind die Protagonisten in Bewegung, on the run – blendet sie zugleich den Hintergrund aus, den sie mit Gold füllt, überblendet. Diese Schlagmetalltechnik führt dazu, dass Barbara Duisberg das Figürliche, die Person in den Mittelpunkt rückt und sie ihrer Umgebung – Menschen, Häuser, Bäume – enthebt und damit die konkrete Situation ins Abstrakte überführt. Verallgemeinerung findet statt, auch eine Erhöhung. Moderne Heiligenlegenden vor sakral anmutendem Hintergrund, eine gleichnishaft Welt, die durch die nüchternen Ortsangaben in den Titeln der Bilder wieder Bodenhaftung bekommen.

Barbara Duisbergs Bilder sind ganz im Hier und Jetzt angesiedelt. Ihre Figuren sind völlig gegenwärtig, konzentriert, ganz bei sich und dem, was sie tun. Sie sind sehr körperlich. Der langgestreckte Körper des Schwimmers („Dahab“, „Shanghai“), die ausgebreiteten Arme des Klippenspringers („Acapulco“), der Junge, der über die Mauer springt, seine Arme hochreißt und dabei ein leichtes Erschrecken erkennen lässt („Bengasi). Stets sind die Figuren Akteure, keine zum Opferdasein verdammten Menschen, sondern handelnde Persönlichkeiten, die eine gewisse Ambivalenz ausstrahlen. Energie, Tatkraft, Wut oder Neugier. Als ob ihre Situation, so dramatisch sie sein mag, immer auch Veränderung, Aufbruch bedeutet. Oder zumindest den Wunsch danach. Mehr kann eine Reportage, ein Bild nicht leisten.

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